Angeführt von Hans-Jochen Tschiche, dem Ehrenvorsitzenden von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt, formiert sich endlich der Widerstand gegen den Mob in Insel, der in den letzten Wochen versucht hatte zwei ehemalige Sicherungsverwahrte aus dem kleinen Ort in der Altmark zu vertreiben.
Eine parteilich ungebundene Initiative von mutigen Bürgern aus Inseln formulierte ein Informationsblatt, in dem ein toleranter Umgang mit den ehemaligen Sexualstraftätern gefordert wird. Seit gestern wird es in Insel verteilt. Der Flyer betont, dass die beiden ehemaligen Straftäter für ihre Tat ausreichend gebüßt und nun die Chance auf ein Leben in Würde verdient haben. „Die Reaktionen auf den Flyer sind sehr emotional. Es gibt sowohl Unterstützung, als auch wütende Ablehnung auf unseren Aufruf.“, so Hans-Jochen Tschiche, DDR-Bürgerrechtler und Ehrenvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Land.
Das Dorf ist seit Wochen gespalten in der Frage, wie mit zwei ehemaligen Straftätern zukünftig umgegangen wird. Laut Tschiche ist jedoch die Mehrheit der Leute für einen toleranten Umgang mit den beiden Männern. Diese Mehrheit würde jedoch von einer Minderheit eingeschüchtert und traue sich kaum, ihre Meinung offen auszusprechen. Zur Einschüchterung beigetragen hatten Protestaufmärsche, angeführt von Bürgermeister Alexander von Bismarck, an der sich auch Rechtsextreme beteiligten.
Bislang ist noch unklar, ob und wann die beiden ehemaligen Sicherungsverwahrten den Ort tatsächlich verlassen müssen. Ihre Wegzugserklärung sei jedenfalls juristisch nicht bindend, so Tschiche. Laut Justizministerin Angela Kolb hängt dies auch von den Entwicklungen in Insel ab. Sie begrüßte die Bürgerinitiative für die Männer ausdrücklich. Zunächst gibt es am 3. November eine Ortschaftsratssitzung, auf der nochmals diskutiert werden soll, ob den Männern in Insel eine zweite Chance gegeben werden soll oder nicht.