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Donnerstag, den 13. Oktober 2011

Weniger Theater geht nicht

Lebhafte Diskussion um die Zukunft der Kulturlandschaft Sachsen-Anhalts in Halberstadt

TeilnehmerInnen der Podiumsdiskussion

Zum Auftakt der Arbeit des neu berufenen Kulturkonventes des Landes lud die Landesfachgruppe Kultur des Landesverbandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Diskussion über die desolate Lage der Landestheater ein. Insbesondere das Nordharzer Städtebundtheater im Landkreis Harz ist von den Sparplänen betroffen.

Die Diskutanten waren André Bücker, Generalintendant des Anhaltischen Landestheaters Dessau, Ulrich Fischer, Intendant der Landesbühne Sachsen-Anhalt Eisleben, und Ulrich Katzer, Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, Landesverband Ost. Die Moderation leitete der Theaterkenner und MZ-Kulturredakteur Andreas Hillger.

Der Tenor der Kulturschaffenden ist pessimistisch: das Niveau sei nicht weiter absenkbar, in chronisch unterfinanzierten Theatern arbeiteten chronisch unterbezahlte Mitarbeiter. Der Oberbürgermeister der Stadt Halberstadt Andreas Henke (Die Linke) klagte gar, die Stadt finanziere das Nordharzer Städtebundtheater seit Jahren über Kredite.

Die vom Land geforderte Haushaltskonsolidierung führt zu regelmäßigen Kürzungen bei den freiwilligen Aufgaben in den Kommunen. Darunter fällt auch der Bereich Kultur. Die Handlungsspielräume der Kulturschaffenden wurden so auf ein Mindestmaß eingeschränkt - und damit auch ihre Autonomie. Den Verlust der Entscheidungsfreiheit konstatierte auch Stefan Brüne-Wonner, der für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Harzer Kreistag sitzt: "95 Prozent des Geldes im Landkreis sind gebunden." Es müsse zukünftig diskutiert werden, wie Kultur als Daseinsvorsorge organisiert werden kann.

"Wir erwarten, dass die Sorgen der Kulturschaffenden ernst genommen werden und dass im Kulturkonvent Lösungsansätze diskutiert werden. Allerdings dürfen jetzt keine Tatsachen geschaffen werden, indem kulturelle Infrastruktur irreparabel beschädigt wird. Wir wünschen uns eine ehrliche, offene und sachliche Diskussion und sehen dabei auch die Landesregierung in der Pflicht.", so der Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen Anhalt Sebastian Lüdecke, der ebenfalls an der Diskussion teilnahm.

Die Zukunft des Städtebundtheaters ist jedoch ungewiss. Eine Bürgerinitiative kämpft seit dem Sommer unerbittlich für den Erhalt der Kulturstätte. Bisher mit Erfolg: In der letzten Stadtratssitzung  konnten bereits 11.000 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern übergeben werden.

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Lohmann, Marko
Werte Grünen.
Ich zitiere mal die Sätze "... Die vom Land geforderte Haushaltskonsolidierung führt zu regelmäßigen Kürzungen bei den freiwilligen Aufgaben in den Kommunen. Darunter fällt auch der Bereich Kultur...". Aber warum fordert das Land über das Landesverwaltungsamt die Konsolidierung --- weil die meisten Kommunen schon seit vielen Jahren (Stadt Quedlinburg seit 95/96 und der ehemalige Landkreis Quedlinburg seit 98/99) keinen ausgeglichenen Haushalt mehr haben und ein strukturelles Defizit welche zu immer höherer Verschuldung und zu immer größerer Zinslast führt. Und da muss man sich fragen -- Haben die Kommunen über die Verhältnisse gelebt oder ist die Finanzierungstruktur der Kommunen daran Schuld. Sollten die Kommunen als wichtigster "Dienstleister" in Bezug auf Bildung, Sport, Soziales, Kultur und gesellschaftliches Miteinander im allgemeinen und als Erfüllungsgehilfe in den vielen übertragenen Wirkungskreisen (Bauaufsicht, Gesundheitsämter, Naturschutzbehörden usw.)nicht auch ordentlich mit finanziellen und personellen Mitteln ausgestattet werden. Da ist ein Umdenken der Verteilung zwischen Bundes-, Landes- und Kommunaler Ebene eher angebracht als darüber zu reden wo die Kommunen bei so genannten "freiwilligen Leistungen" noch sparen können. Wenn die Bundesregierung zum Beispiel in diesem Jahr 1 Milliarde Euro an die deutsche Automobilindustrie (in 2010 über 13 Milliarden Gewinn nach Steuern und Abgaben)zahlt. Allein von den Zinsen für diese 1 Milliarde kann man die Theater in Sachsen Anhalt fast komplett finanzieren.
Es wundert mich schon seit Jahren das es keinen Aufstand/Generalstreik der Kommunen gibt. Dieses lässt sich aus meiner Sicht auch nur damit erklären, dass die Kommunen sich lieber untereinander streiten oder gehässig über einander lästern (Ha - die sind ja noch höher verschuldet als wir - die sind ja unfähig - oder - die wollen uns den Investor streitig machen) als gemeinsam für die Interessen ihrer Bürger zu kämpfen. Ja da ist das Konkurrenzdenken untereinander stärker - siehe Streitereien bei Gebietreform über Standorte von Behörden usw.
Und solange die kommunale Ebene nicht den Schulterschluss zwischen den Gemeinden und auch mit dem Landkreis schafft und man für eine Region oder für die Kommunen mit einer gemeinsamen Stimme spricht - so lange wird auch die Finanzierung der Kommunen und der kommunalen Aufgaben - ob freiwillig oder nicht - auf sehr wackligen Beinen stehen.

Mit freundlichen grünen Grüßen

Marko Lohmann, Quedlinburg