Zum Auftakt der Arbeit des neu berufenen Kulturkonventes des Landes lud die Landesfachgruppe Kultur des Landesverbandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Diskussion über die desolate Lage der Landestheater ein. Insbesondere das Nordharzer Städtebundtheater im Landkreis Harz ist von den Sparplänen betroffen.
Die Diskutanten waren André Bücker, Generalintendant des Anhaltischen Landestheaters Dessau, Ulrich Fischer, Intendant der Landesbühne Sachsen-Anhalt Eisleben, und Ulrich Katzer, Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, Landesverband Ost. Die Moderation leitete der Theaterkenner und MZ-Kulturredakteur Andreas Hillger.
Der Tenor der Kulturschaffenden ist pessimistisch: das Niveau sei nicht weiter absenkbar, in chronisch unterfinanzierten Theatern arbeiteten chronisch unterbezahlte Mitarbeiter. Der Oberbürgermeister der Stadt Halberstadt Andreas Henke (Die Linke) klagte gar, die Stadt finanziere das Nordharzer Städtebundtheater seit Jahren über Kredite.
Die vom Land geforderte Haushaltskonsolidierung führt zu regelmäßigen Kürzungen bei den freiwilligen Aufgaben in den Kommunen. Darunter fällt auch der Bereich Kultur. Die Handlungsspielräume der Kulturschaffenden wurden so auf ein Mindestmaß eingeschränkt - und damit auch ihre Autonomie. Den Verlust der Entscheidungsfreiheit konstatierte auch Stefan Brüne-Wonner, der für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Harzer Kreistag sitzt: "95 Prozent des Geldes im Landkreis sind gebunden." Es müsse zukünftig diskutiert werden, wie Kultur als Daseinsvorsorge organisiert werden kann.
"Wir erwarten, dass die Sorgen der Kulturschaffenden ernst genommen werden und dass im Kulturkonvent Lösungsansätze diskutiert werden. Allerdings dürfen jetzt keine Tatsachen geschaffen werden, indem kulturelle Infrastruktur irreparabel beschädigt wird. Wir wünschen uns eine ehrliche, offene und sachliche Diskussion und sehen dabei auch die Landesregierung in der Pflicht.", so der Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen Anhalt Sebastian Lüdecke, der ebenfalls an der Diskussion teilnahm.
Die Zukunft des Städtebundtheaters ist jedoch ungewiss. Eine Bürgerinitiative kämpft seit dem Sommer unerbittlich für den Erhalt der Kulturstätte. Bisher mit Erfolg: In der letzten Stadtratssitzung konnten bereits 11.000 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern übergeben werden.