"Wir halten es nicht für möglich, mit dem Schließungskonzept des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) einen Langzeitsicherheitsnachweis zu erbringen, weil er lediglich auf Modellrechnungen beruht und auch nur beruhen kann.", so die energiepolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Dorothea Frederking in einer Ansprache auf dem Lautsprecherwagen der Demonstration vor dem Landtag. Am gestrigen Samstag um "fünfnachzwölf" hatten sich bei schönstem Herbstwetter Atomgegnerinnen und Atomgegner aus allen Teilen der Bundesrepublik zusammengefunden, um unter dem Motto "Atommüllkippe Morsleben stilllegen – aber richtig! für eine sichere Lösung für die Stilllegung des Endlagers Morsleben" zu protestieren.
Der bunte Demonstrationszug führte die Teilnehmer der Veranstaltung des Anti-Atombündnisses vom Magdeburger Hauptbahnhof am Wirtschaftsministerium vorbei, zur Staatskanzlei und zum Domplatz vor den Landtag. Anschließend ging es weiter zur Abschlusskundgebung vor dem Umweltministerium. Besorgnis und Zweifel an den Plänen des BfS, das ehemalige Bergwerk über einen Zeitraum von 15 Jahren mit insgesamt 9 Millionen Tonnen Salzbeton vollzupumpen, standen bei den Kundgebungen im Vordergrund. Die scheinbare Alternativlosigkeit der Pläne im Hinblick auf die Rückholbarkeit des hochgiftigen Atommülls wurde von Organisatoren und Teilnehmern scharf kritisiert. Ein weiterer Kritikpunkt sind die hohen Kosten für das geplante Betongrab: insgesamt kostet das vorgelegte Stilllegungsverfahren 2,2 Milliarden Euro, wovon die Atomkonzerne lediglich 85 Millionen übernehmen, den Löwenanteil von 96 Prozent der Summe trägt der Steuerzahler. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern deshalb, dass die Energieversorgungsunternehmen angemessen an den Milliarden-Kosten für die Stilllegung beteiligt werden.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen Anhalt fordern eine offene und tiefe Diskussion der Einwendungen, die aktuell im Rahmen des Erörterungsverfahrens zur Stilllegung des Endlagers behandelt werden. Die sicherste Lösung kann nur gefunden werden, wenn auch die Alternative der Rückholung geprüft wird, und nicht durch eine Verfüllung Tatsachen geschaffen werden. Die Erkenntnisse aus Asse müssen auch für das weitere Vorgehen in Morsleben genutzt werden.