1. „Die A 14 ist für den Verkehr in der Altmark unverzichtbar“
Falsch. Parallel zur geplanten Trasse der A 14 verläuft die Bundesstraße B 189. Auf dieser Straße sind schon heute nur relativ wenig Fahrzeuge unterwegs. Auf einem vierspurigen Abschnitt zwischen Magdeburg und Wolmirstedt waren es 2009 – nach den Zahlen der Bundesamtes für Straßenverkehrswesen (BASt) – nur 14.000 Fahrzeuge pro Tag, hinter Stendal sogar nur 9.000. Selbst die Bundesregierung erwartet für die neue Autobahn nur 15.000 bis 30.000 Fahrzeuge. Eine Autobahn hat nur für wenige Orte in der Region einen Reisevorteil. Sie ist nur über die 11 Anschlussstellen erreichbar, hat also viel weniger Abfahrten als eine Bundesstraße. Durch die Autobahn steigt die Lärmbelastung der Region. Mehr Lkw weichen auf die mautfreien bisherigen Bundesstraßen aus. Für die Altmark wäre es besser, jetzt die notwendigen Ortsumgehungen anzugehen und durch Ausbau der Bundesstraße Wagenkolonnen hinter Lkw vermeiden zu helfen. Ein Ausbau der Bundesstraßen B5 und B189 würde nicht acht Millionen Euro pro Kilometer wie die Autobahn, sondern keine zwei Millionen Euro pro Kilometer kosten – insgesamt kostet er weniger als ein Viertel.
2. „Die A 14 ist wichtig für die Hafen- und Küstenanbindung Ostdeutschlands“
Falsch. Für die Hochseefracht sind die Nordseehäfen Hamburg und Bremerhaven entscheidend. Die bisherige Fahrtstrecke über A 2 und A 7 würde durch die A 14 nicht verkürzt. Auch die Ostseehäfen sind bereits gut an das Autobahnnetz angebunden. Für den wachsenden Güterverkehr ist in Zeiten steigender Ölpreise ohnehin die Bahn das wichtigere Verkehrsmittel.Hier müsste dringend die Schienenverbindung Uelzen – Stendal, die sogenannte Amerikalinie, durchgehend zweigleisig ausgebaut werden. Für diese Maßnahme fehlt jedoch – auch durch die A 14-Ausbaupläne – bisher das Geld. Für den Personenverkehr zwischen Magdeburg, der Altmark und der Ostsee zählt neben dem Ausbau der Bundesstraße auch die Zugverbindung. Mit weniger als 100 Million Euro ließe sich die vorhandene Bahnstrecke auf 160 km/h Höchstgeschwindigkeit ertüchtigen. So wäre die Strecke auch für den Fernverkehr wieder attraktiver.
3. „Die A 14 wird benötigt, um die Arbeitslosigkeit zu senken“
Falsch. Zwischen dem Bau von Autobahnen und der Wirtschaftsentwicklung einer Region gibt es keinen eindeutigen Zusammenhang. Das zeigt schon der Vergleich der Kreise in Sachsen-Anhalt. Die drei Kreise ohne jeden Autobahnkilometer rangieren bei der Arbeitslosigkeit auf denPlätzen drei (Altmarkkreis Salzwedel), vier (Harz) und zehn (Stendal). Der Kreis mit den meisten Autobahnkilometern Saalekreis findet sich hingegen im Mittelfeld der Arbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit hängt mit anderen Ursachen zusammen. Wichtiger im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ist es, die Stärken vor Ort zu auszubauen. In der Altmark sind dies das Handwerk, der Tourismus sowie die Bereiche Pflege und Gesundheit.
4. „Die A 14 wird von der Bundesregierung bezahlt“
Nicht ganz richtig. Für die Autobahn bestehen erst Finanzierungszusagen von 775 Millionen Euro. Das reicht für die erste Phase des Baus. In Sachsen-Anhalt fehlt dann aber noch das erste Stück von Dahlenwarsleben bis Wolmirstedt und die gesamte Strecke von Stendal nach Osterburg. DieAutobahn wird zudem über ein gemischtes Modell finanziert. Dabei stammen 29 Prozent aus dem „Länderplafonds“, die Sachsen-Anhalt sonst für andere Projekte zur Verfügung stünden. 42 Prozent stammen aus EU-Geldern (sogenannten EFRE-Mittel), für die die EU auch die Verwendung für Forschung, Bildung und weitere Bereiche zulässt. Nur 29 Prozent stammen aus dem sogenannten „Vorwegabzug“, über den allein der Bund entscheidet. In der Summe könnte das Land allein aus Phase 1 über 350 Millionen Euro anderweitig verfügen, inklusive Phase 2 und 3 sogar über 550 Millionen Euro. Zudem bleiben das Land (oder sogar die Kreise) auf Kosten für den Unterhalt der bisherigen B 189 sitzen. Dies sind bei einer 100km langen Bundesstraße mehr als zwei Mio. Euro - jedes Jahr.
5. „Es gibt keine Alternative“
Falsch. Autobahnbefürworter behaupten, der Ausbau der bisherigen B 189 sei teurer und zudem von der Wegstrecke her länger. Dabei beziehen sie sich auf die sogenannte Nullplusvariante aus dem Raumordnungsverfahren. Geprüft wurde hier allerdings nicht der Ausbau der Bundesstraße,
sondern der Bau einer Autobahn auf der bestehenden Bundesstraße. Dies kommt dem Neubau einer Autobahn gleich, die jedoch in den historisch gewachsenen Straßenverlauf einer Bundesstraße hineingezwängt wird. Richtig ist der Vergleich mit den Baukosten einer drei oder vierspurigen Bundesstraße. Hier schlagen Kosten von 1,5 bis 2 Millionen Euro pro Kilometer zu Buche, wie verschiedene Projekte in Sachsen-Anhalt zeigen. Die Alternative kostet damit etwa 300 bis 400 Mio. Euro – ein Viertel der Kosten.
